Besondere Begegnungen 2

Die Zeit bis ich gegen 8:00 Uhr die Wohnung verließ, verbrachte ich in einer sehr positiven Stimmung. Ich las den Artikel, den ich am Voraben nicht bis zum Ende geschafft hatte.   Ich sang unter der Dusche vor mich hin. Das kommt oft vor, aber an diesem Morgen waren es nur fröhliche Songs.   Das Frühstück bereitete ich mir zur Musik von meinem Lieblingssender im Fernsehen und führte beim Tischdecken kleine Tanzschritte auf.     Ich bin kein Kind von Traurigkeit aber an diesem Morgen war meine Stimmung besonders gut.  Ich dachte oft an das Mädchen. Wo kam sie her und wo gehörte sie hin?    Wer ließ sie am frühen Morgen allein umher laufen und wer zog sie so an? Trug sie immer solche Kleidung?     Ich bemerkte, dass meine Stimmung immer dann besonders gut war wenn ich an die Kleine dachte.     Bei meinen Hausbesuchen in der ambulanten Betreuung verrichtete ich meine Aufgaben mit Sorgfalt und steckte meine Klienten mit meiner guten Laune an. Ich freute mich besonders auf Frau Luise Habolt. Sie war eine meiner ersten zu Besuchenden gewesen als ich vor drei Jahren bei der Einrichtung anfing.   Ich hatte vom ersten Moment an das Gefühl, dass und etwas verband. So etwas wie Verwandtschaft.   Der Kontakt hatte sich weiter ausgedehnt: Ich kannte ihre Tochter sowie die Nachbarin von Frau Habolt und war Elenor für alle.   Frau Habolt und ihre Bezugspersonen kannten meine Mutter und auch sie war mittlerweile nicht mehr Frau Bühl sondern Isabell.   Am Mittag kam ich bei Frau Habolt an und sie öffnete mir mit einem Lächeln die Tür.    Wenn ich einmal so alt werde sollte möchte ich so sein wie sie.   Mit aufrechtem Gang, adretter Frisur, einem herzlichen Händedruck und einem offenen Gesicht.   Wir gingen ins Wohnzimmer und ich begrüßte ihre Nachbarin, die gerade zu Besuch war. Sie verabschiedete sich nach kurzer Zeit und Frau Habolt lächelte immer noch als sie von der Wohnungstür zurück kam.   „Ihr Mann ist heute nicht sehr gut gelaunt.“ meinte sie. „Sie ist für ein Weilchen herübergekommen um seinem Schimpfen zu entgehen. Er erzählt von einem Jungen. Einem „Bengel“, wie er sagt, der heute Morgen an der Gartentür gestanden hat. Als er die Haustür aufgemacht hat ist der Junge mit den Händen in den Hosentaschen wortlos weggegangen. Ihr Mann fing an vor sich hin zu schimpfen als der die Haustür wieder geschlossen hat. Sie macht ihm jetzt sein Lieblingsessen – Königsberger Klopse – damit er wieder friedlich ist.“   Ich bereitete Frau Luise ihr Mittagessen – süßsaure Eier – und sie brauchte keinen Stimmungsaufheller. Ihre Laune war ebenso sonnig wie meine.   Bei unserem „Verdauungsspaziergang“ sprachen wir unter anderem von meinem Geburtstag am 12.Mai.   Ich hatte drei Urlaubstage genommen um ein verlängertes Wochenende bei meiner Familie am Stadtrand zu verbringen. Mein Bruder Maurice, der nicht mehr zu Hause wohnte, wollte am Sonnabend kommen um im Familienkreis zu feiern.   Ich fragte Frau Habolt was es denn an 28 Jahren zu feiern gebe. Sie meinte lachend, dass es ein schönes Alter sei und ich warten solle bis ich die Zahlen umdrehen könne wie sie. Wenn ich also 82 Jahre alt würde.

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